Gestaltung als Schaffensprozess
Der Begriff der Gestaltung wird im Deutschen oft mit Design gleichgesetzt. Er bedeutet, dass etwas entworfen wird, dass etwas eine Form erhält. Abgeleitet wurde der Begriff vom lateinischen Wort designare, was zeichnen oder bezeichnen bedeutet. Eine Skizze, eine Idee oder ein Konzept ist noch kein fertiges Kunstwerk. Das Kunstwerk steht vielmehr am Ende eines Prozesses.
Dieser Prozess verleiht dem jeweiligen Objekt seine Form. Es ist weder die anfängliche Idee noch die letzten Feinschliffe, die das Objekt zu dem machen, was es letztgültig ist. Dies kann eine Skulptur einer Frau oder eines Mannes, ein Bild oder auch ein Essay sein. Die Kriterien dieser unterschiedlichen Artefakte sind offensichtlich grundverschieden. Worauf es ankommt: Der Vorgang zwischen der ersten Idee und dem Ergebnis bringt die Sache in Form. Die Formgebung ist dabei eine zeitweilige Angelegenheit, die einen gewissen Prozesscharakter hat. Schritt für Schritt erhält das Objekt hier ein paar Ecken und Kanten, und dort einige Rundungen und Ellipsen. Ähnliches gilt auch für einen Essay: Wort für Wort wird an der These und deren Begründung gefeilt, wobei logische Struktur und äußeres Erscheinungsbild gleichzeitig verändert werden.
Der Prozess ist ein kreativer. Durch den Schaffensprozess wird eine Idee elaboriert – das heißt die Idee wird der Realität angepasst. Ein solcher Prozess ist gleichzeitig originell: Der Gestalter oder Designer ist ja schon für sich genommen einzigartig. Die Arbeit mit einem Objekt ist es auch. Es werden Änderungen vorgenommen und wieder verworfen. Weitere Änderungen folgen bis zu dem Punkt, an dem kein Rückschritt mehr notwendig scheint. Oft ist dieser Punkt dadurch bestimmt, dass die Funktion des Objektes optimal erfüllt wird. Dies kann ästhetische oder pragmatische Gründe haben, zentral ist jedoch, dass die Formgebung, die Gestaltung sich am Prozess selbst orientiert.