Graffiti – Teure Kunst
Graffitis können eine teure Kunst sein. Dies gilt nicht unbedingt für die Produktion, aber sowohl für den Fall, wenn als Vandalismus aufgefasste Graffitis kostenintensiv entfernt werden, als auch für den selteneren Fall, dass ein angesagter StreetArt-Künstler sein Kunstwerk im öffentlichen Raum vermacht. Ein Stück abgetragene Hauswand kann dann 150 000 Euro wert sein. Angesichts dieser Tatsache sollte jeder Hausbesitzer vor der teuren Entfernung noch einmal innehalten.
Es gibt unterschiedlichste Möglichkeiten, Graffitis zu erstellen. Sie können eher schriftbasiert sein oder aus komplexen bildlichen Motiven bestehen, es können Schablonen (sogenannte Stencils) verwendet werden, mit denen Graffiti lernen besonders einfach geht und Graffitis auch an schweren oder vielbesuchten Orten schnell angebracht werden können. Zu Graffitis zählen sogar Techniken, in denen Kratzer oder Verätzungen auf Plastik und Glas zur Anwendung kommen. Auf diese Weise soll eine längere Haltbarkeit gewährleistet werden, wenn auch auf Kosten der künstlerischen Mittel. Teuer können Graffitis auf jeden Fall werden, aber stimmt es auch, dass Graffiti Kunst ist?
Der künstlerische Ausdruck bleibt dennoch ein wichtiger Aspekt bei Graffitis. In der Hip-Hop-Kultur ist das Writing neben Break-Dancing, Rapping und DJ’ing eines der vier Elemente, die diese Bewegung ausmachen. Im Vordergrund steht hier die Idee, gewaltfrei einen Wettstreit auszutragen, in dem die künstlerischen Fähigkeiten zu Prestige führen. Eine andere Seite sind Graffitis von Gangs oder organisierten Fanclubs (sogenannten Ultras), die die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und oft auch ein Revier markieren sollen. Hier tritt der künstlerische Aspekt zurück.
Kunst und Gesellschaftskritik
Andere Bereiche treiben die künstlerischen Ansätze weiter und verbinden sie mit Gesellschaftskritik. StreetArt gehört dazu. Sie ist teilweise schwer von dem Writing abzugrenzen, zeichnet sich aber generell durch den eher bildlichen Stil aus. Eine Form von StreetArt ist Adbusting, hier werden Werbebotschaften und Logos im öffentlichen Raum und in sozialen Netzwerken verändert um andere Aussagen zu schaffen. Auf Wahlplakaten abgebildeten Politikern Hörner oder Bärtchen anzumalen ist nur die leichteste Übung, die gekonnt zu einer Kunst veredelt werden kann. Eine kritische, aber auch ironische und unterhaltsame Auseinandersetzung zeichnet diese Spielarten aus.
Es ist allerdings nicht der Fall, dass nur die neuesten Entwicklungen der StreetArt politisch sind, Graffitti hatte schon immer diese Dimension. Selbst die Markierung des öffentlichen Raumes hat eine politische Dimension. Sie ist vergleichbar mit Demonstrationen. Beide Formen sind Möglichkeiten, Präsenz zu zeigen.