Marianne von Werefkin – der russische Van Gogh

Marianne von Werefkin war eine russischstämmige Malerin, die ihre Werke im Umfeld des Blauen Reiters ausstellte. Ihr Selbstportrait zeichnet sie als eine ausdrucksstarke Persönlichkeit. Tatsächlich wird sich heute oft auf ihre Vorreiterrolle für Künstlerinnen bezogen.

Werefkin wuchs im russischen Zarenreich auf. Sie wurde 1860 in Tula, Russland, geboren. Aufgrund ihrer privilegierten Herkunft konnte ihr früh erkanntes Talent ausgiebig gefördert werden. Im Alter von 20 Jahren wurde sie von Ilja Repin, dem bedeutendsten russischen Maler seiner Zeit, unterrichtet. Drei Jahre später studierte sie in Moskau Malerei, bei Illarion Michailowitsch Prjanischnikow und Wladimir Sergejewitsch Solowjow. In dieser Zeit entstanden die bedeutenden Werke Werefkins aus ihrer sogenannten ersten, realistischen Phase und Werefkin wurde als der „russische Rembrandt“ bekannt. Beendet wurde die Phase durch einen Jagdunfall, bei dem sich Werefkin in die Hand schoss und den Mittelfinger ihrer Malerhand verlor.

Aus einer kurzen, impressionistischen Phase osteuropäischer Couleur ab 1880, in der sie sich der Freilichtmalerei widmete, sind kaum Werke überliefert. Nach dem Tod ihres Vaters zog sie mittels einer soliden Rente 1896 nach Deutschland. Dort gründete die selbstbewusste Frau ihren „rosafarbenen Salon“ und unterbrach ihre künstlerische Tätigkeit für zehn Jahre, um ihren Freund, Alexej Jawlensky zu unterrichten. Nach diesen zehn Jahren, 1906, unternahm sie eine Reise nach Frankreich. Dort entwickelte sie ab 1907 ihren expressionistischen Stil, der an Van Gogh, Gaugin, Anquetin und Toulouse-Lautrec angelehnt war und sich u.a. mit dem Japonismus auseinander setzte. Diese Entwicklungen waren so einschneidend, dass Werefkin in ihrem Freundeskreis fortan „die Französin“ genannt wurde.

Bevor sie beim Ausbruch des ersten Weltkrieges Deutschland in Richtung Schweiz verlassen musste, veröffentlichte sie 1913 unter anderen auch bei einer Ausstellungen des blauen Reiters. Nachdem sie nach dem Krieg ihre zaristische Pension verlor, lebte sie vom Verkauf ihrer Werke.

Ihr Alterswerk ist gegenüber den Werken vor dem Ersten Weltkrieg erzählerischer und weniger auf Schockeffekte bedacht. So ist es auch kein Wunder, dass sich Schriftsteller zunehmend für ihr Werk interessierten. Heutzutage wird Werefkin durch einen eigenen Preis anerkannt, der seit 1990 sieben Mal verliehen wurde.

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