Fauvismus
Als erste Bewegung der klassischen Moderne erscheint 1905 der Fauvismus auf der Bühne der Kunst. Als ideologischer Wegbereiter der neuen Kunstrichtung kann Gustave Moreau (1826-1898) angesehen wegen. Er forderte und förderte die individuelle Entwicklung seiner Schüler wie kaum ein Zweiter zu jener Zeit. Der endgültigen Schritt zum Fauvismus hin sollte aber nicht mehr von ihm selbst, sondern erst von seinen Schülern vollzogen werden.
Hier waren insbesondere Henri Mattis und André Derain die Initiatoren. Während eines Aufenthalts in Collioure im Jahre 1905 fassten beide nach der Betrachtung der jüngsten Werke Gauguins den Entschluss, ihre divisionistischen Einstellungen zu verwerfen und neue Wege zu beschreiten. Dieser Zeitpunkt wird als Geburt des Fauvismus angesehen. Abgeleitet wird das Wort vom französischen fauves, was soviel wie „wilde Bestien“ bedeutet. Erstmals benutzt wurde dieses Wort von Louis Vauxcelles, der auf dem Herbstsalon 1905 eine ausstellende Gruppe jüngerer Künstler damit bedachte. Von diesen wurde die Wortwahl anfangs abgelehnt und erst ab 1907 selbst verwandt.
Charakteristisch für fauvistische Bilder ist das Naturmotiv, dessen naturgetreue Wiedergabe jedoch nicht im Vordergrund steht. Dieser Platz wird von den subjektiven Empfindungen und Geisteshaltungen des Künstlers eingenommen, so dass das Motiv nur zum Rahmen der darin enthaltenen Kräfte und Werte wird – ganz ähnlich wie es auch im Kubismus ab 1907 geschah. Bezeichnend ist allerdings, dass die Künstler zwar die Aussage des Bildes in den Vordergrund stellen, jedoch auch den Rahmen nicht vernachlässigen, so dass Inhalt und Umgebung miteinander harmonieren. Weiterhin verzichtet der Fauvismus auf räumliche Perspektive, verflacht auch einzelne Objekte, indem er Hell-Dunkel-Kontraste vermeidet. Darüber hinaus ist auch der Einsatz reiner Farben mit gleichmäßiger Sättigung ein Markenzeichen des Fauvismus.